1944 – DIE GROßE FLUCHT

Im 20. Jahrhundert im Sommer und Herbst des Jahres 1944 veränderte sich das Leben in Estland dauerhaft. Im Kreis Ida-Virumaa, in Sinimäed (dt. Blauberge) konnten die estnischen, deutschen, flämischen, wallonischen und norwegischen Soldaten vorerst die Offensive der Roten Armee zurückschlagen, was die Flucht vieler Menschen in den Westen ermöglichte. Doch zum Ende des Sommers und Anfang des Herbstes hatte die Front voran gedrängt. Vor Angst vor dem Krieg und der neuen Okkupation flohen ungefähr 70 000–80 000 Menschen aus Estland.

Die audiovisuelle Ausstellung „1944 – SUUR PÕGENEMINE (DIE GROßE FLUCHT)” von dem trotzigen Schicksal stellt unter anderem die Frage: bleiben oder gehen? Und wenn gehen, dann wohin? Wie einfach ist es, die Mitmenschen und das Heimatland zurückzulassen? Was wird aus Estland?

Diese Fragen drehten sich 1944 im späten Kriegssommer und im Frühherbst in tausenden Köpfen und Herzen der Esten. Keiner konnte ahnen, dass man das Heimatland für ein halbes Jahrhundert zurücklässt. Die Reise in das unbekannte war erschreckend, doch noch schrecklicher waren die Erinnerungen an die sowjetische Okkupation von 1940 und 1941. Keiner konnte sich vorstellen, dass viele ins Heimatland nie mehr zurückkehren.

Die Ausstellung erzählt sieben Fluchtgeschichten, die die Esten nach Schweden, Finnland und Deutschland brachten. Der Großteil der Flüchtlinge kam aus den Küstengebieten, den Inseln und den größten Städten. Man ging mit dem Auto, auf einem Pferd und mit dem Fahrrad und sogar zu Fuß. Die See überquerte man mit einem kleinen Fischerboot oder auf einem größeren Schiff. Auf dem Festland wurden Züge und Karawane bombardiert, die See war voll von Minen. Nach Deutschland und auf die von den Deutschen okkupierten Gebieten kamen 42 000 und nach Schweden 27 000 Menschen an.

In der Dauerausstellung des Seaplane Harbour sieht man zwei Flüchtlingsboote. Auf einem davon flohen junge Männer aus Juminda am Anfang des zweiten Weltkrieges nach Finnland und nach einem Jahr mit der Familie nach Schweden. Auf dem zweiten Boot flohen Männer aus einem Stranddorf von Saaremaa nach Schweden und einem davon gelang es auch, seine Familie auf einem größeren Schiff nach Schweden hinterherzubringen.

Die kurzzeitige Ausstellung „1944 – SUUR PÕGENEMINE (DIE GROßE FLUCHT)” im kleinen Ausstellungssaal bietet eine Umgebung mit Installationen und bewegende Geschichten. Der Besucher kann sich in die Geschichten der Flüchtlinge vertiefen, die zwar nur einige von vielen sind, doch trotzdem total einzigartig.

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Vesilennuki tee 6, Tallinn

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